Gefahren an der Einsatzstelle

Diese Gefahren bestehen im Gegensatz zu ihrem Namen nicht nur für die Einsatzkräfte der Feuerwehr. Auch Schaulustige und die direkt Betroffenen Personen sind von diesen Gefahren bedroht.

 

Gefahren an der Einsatzstelle bestehen für :

 

Taktische Regeln der Gefahrenabwehr :

1. Gefahren für Menschen (retten oder in Sicherheit bringen )
2. Gefahren für Tiere (retten oder in Sicherheit bringen )
3. Gefahren für Sachwerte und Umwelt (schützen und bergen )
4. Gefahren für Geräte (schützen und bergen )

 

Taktisches Gefahrenschema :

A Atemgifte
A Angstreaktion
A Atomare Gefahren
A Ausbreitung von Bränden

C Chemische Gefahren

E Elektrizität
E Einsturzgefahr
E Explosionsgefahr
E Erkrankung

Atemgifte

Was sind Atemgifte ?
Atemgifte sind Gifte, die auf Mensch oder Tier einen negativen physischen als auch psychischen Einfluss haben können.
Sie können in verschiedenen Formen auftreten :
- fest
- flüssig
- gasförmig
- brennbar
- nicht brennbar
- schwerer oder leichter als Luft

Gruppe 1
Atemgifte mit erstickender Wirkung
Zu dieser Gruppe gehören alle Stoffe, die selbst nicht giftig sind, aber durch ihre Anwesenheit in hoher Konzentration den Lungensauerstoff verdrängen können. Bei diesen Atemgiften besteht die Gefahr, dass plötzlich und ohne vorherige Bemerken Bewusstlosigkeit eintreten kann.
Stickstoff ( N2 )
Wasserstoff ( H2 )
Wasserdampf

Gruppe 2
Atemgifte mit Reiz - und Ätzwirkung
Diese Atemgifte wirken auf die Schleimhaut der Atemwege.
Sie könne die Atemwege reizen oder verätzen und das Lungengewebe zerstören. Ihre Gefährlichkeit hängt im besonderen Maße von ihrer Wasserlöslichkeit ab. Leicht lösbare Stoffe werden zu einem großen Teil schon in den oberen Atemwegen festgehalten. Schwer lösliche Stoffe gelangen bis in die Lunge und werden dort erst gelöst.
Sie rufen starke Verätzungen hervor und zerstören so die Lungenbläschen, welche sich nun auch mit Flüssigkeit füllen können. Man spricht hier von einem Lungenödem. Die Wirkung dieser Atemgifte ist oft erst nach längere Latenzzeit möglich.
Brom ( Br2 )
Stickoxide und nitrose Gase ( NO, NO2, N2O2 )
Ammoniak ( NH3 )
Phosgen ( POCl2 )

Gruppe 3
Atemgifte mit Wirkung auf Blut, Nerven, Zellen
In diese Gruppe gehören alle Atemgifte, die auf den Gastransport im Blut, auf die Zellatmung oder hauptsächlich auf die Nervenzellen eine Giftwirkung ausüben.
Kohlenstoffmonoxid ( CO )
Kohlenstoffdioxid ( CO2 )
Cyanwasserstoff ( HCN ) Blausäure
Lösungsmitteldämpfe
- Aceton
- Esther ( -COOR`)
- Alkohol ( -OH )
- Benzin


Angstreaktion

Was ist eine Angstreaktion ?
Angstreaktionen fremder Personen entstehen durch das subjektive Empfinden einer Gefahrenlage. Sie können bedingt sein, durch :
- Eingeschlossen sein
- Versperrung der Rückzugswege
- Einwirkung von Atemgiften
oder durch taktisch falsches Verhaltender Einsatzkräfte verursacht oder begünstigt werden.
Daher ist es vorteilhaft bei jedem Betroffenen ruhig, sachlich und zuvorkommend aufzutreten.

Was ist eine Panik ?
Panik wird durch heftigen Schrecken oder Angst ausgelöst
(unkontrolliertes Fluchtverhalten ).
Auch die Einsatzkräfte können durch sachlich, ruhiges und überlegtes handeln der Panik entgegen wirken.

Atomare Gefahr

Was sind atomare Gefahren ?
Unter Atomare Gefahren fallen auch alle atomaren-, biologischen- und chemischen Kampfmittel.
Anwendung und Vorkommen radioaktiver Stoffe :
- In der Medizin
- In der Industrie
- In kerntechnischen Anlagen
- In der Forschung
- Beim Transport

Folgende Strahlenarten werden unterschieden :

I. ALPHA - STRAHLUNG
- Teilchenstrahlung ( Heliumkerne )
- stark schädigend
- Reichweite in der Luft wenige cm
- Reichweite im menschl. Körper wenige mm
- Abschirmung durch dünnes Material ( Kleidung )

II. BETA - STRAHLUNG
- Teilchenstrahlung ( Elektronen )
- sehr stark schädigend
- Reichweite in der Luft wenige m
- Reichweite im menschl. Körper bis zu 1 cm
- Abschirmung durch dichtes Material ( Aluminiumplatte )

III. GAMMA - STRAHLUNG
- elektromagnetische Wellenstrahlung
- schädigend ( Folgeschäden )
- Reichweite in der Luft mehrere 100 m
- Der menschliche Körper wird komplett durchstrahlt.
- Abschirmung nur durch dickes, dichtes Material ( Beton, Blei )

Ausbreitung von Bränden

Die Ausbreitung von Bränden wird durch folgende Umstände positiv beeinflusst :

Bauliche Mängel - Öffnung von Brandwänden
- Kabelkanäle
- Lüftungsschächte

Betriebliche Mängel - defekte / fehlerhaft Löscheinrichtungen
- falsche Lagerung von gefährlichen Stoffen
- offengestellte Feuerschutztüren
- Anhäufung brennbarem Materials

Feuerbrücken 
- brennbare Stoffe

Löschtechnische Fehler 
- falscher Einsatz von Löschmitteln

Feuerübersprung - FLASH-OVER
- Wärmeleitung / -strahlung
- Wärmestau


Flugfeuer und Funkenflug

Chemische Gefahren

Chemische Gefahren entstehen durch verschiedene Substanzen, die sich durch ihr Verhalten negativ auf den menschlichen Körper auswirken können bzw. zum Entstehen weiterer Gefahren
beitragen können :

Säuren und Laugen - PH-Wert 1 = Säure
- Salzsäure ( HCl )
- Flußsäure ( HF )
- Salpetersäure
- PH-Wert 7 = neutral
- Wasser
- PH-Wert 14 = Lauge
- Kalilauge
- Natronlauge ( NaH )

Kunststoffe - Polyvinylchlorid ( C2H3Cl )n
- Nitrozellulose
- Polyamide
- Polyurethane

Düngemittel Sie brennen nicht, sondern zersetzen sich ab einer
Temperatur von 130°C. Hat die Zersetzung einmal begonnen, so schreitet sie auch unter Luftabschluss weiter fort.
=> rot-braune Gasschwaden = nitrose Gase
=> weißliche Gasschwaden = Ammoniak Gase

Mineralölprodukte z.B: Öle, Kraftstoffe

Elektrizität

Gefahren durch Elektrizität treten überall dort auf, wo Einsatzkräfte mit Anlagen zu tun haben, die vom elektrischen Strom abhängig sind.

Ohmsches Gesetz Stromstärke ( I ) = Spannung ( U ) : Widerstand ( R )

I = 220 VOLT : 1100 OHM
I = 0,2 A @ 200 mA

Sicherheitsabstände:
Bei Niederspannungsanlagen ( bis 1000 Volt ) ist ein Stromübergang im allgemeinen nur über Berührung möglich.
Mindestsicherheitsabstand : 1 m

Bei Hochspannung ( über 1000 Volt ) kommt es bei der Annäherung an Spannung zum Stromüberschlag ( Lichtbogen ). Der erforderliche Sicherheitsabstand für Mannschaft und Gerät ist hier erheblich höher und staffelt sich wie folgt :

1 kV bis 110 kV = 3 Meter
110 kV bis 220 kV = 4 Meter
220 kV bis 380 kV = 5 Meter

Die Fahrleitung der Deutschen Bahn AG führt eine Spannung von 15000 V = 15 kV also 3 Meter Sicherheitsabstand. Bei Rettungsarbeiten in der Nähe von Oberleitungen ( 1 bis 525 kV ) ist eine Annäherung auf 1,5 Meter zulässig.

Strahlrohrabstände (Faustregel):

 

Niederspannung (bis 1.000 Volt)

Hochspannung (ab 1.000 Volt)

Sprühstrahl

1 Meter

5 Meter

Vollstrahl

5 Meter

10 Meter

 

Einsturzgefahr

Einstürze können durch verschiedene Faktoren hervorgerufen werden. Im allgemeinen werden sie durch Verformungen und Brechen von verschiedenen Materialien gekennzeichnet.

Erwärmung - unterschiedliche Ausdehnung verschiedener Baustoffe
- nachlassende Belastbarkeit
- Zusammenziehen von ausgedehnten Materialien

Abbrand - Holz ( Abbrandrate etwa 1 mm / min )
- Dachstuhlbrand

Überlastung 
- Wasser- Quellwirkung ( Getreide, Hülsenfrüchte )
- zu hohes Gewicht

Erschütterung - Erdbeben / Bergschäden
- Explosion
- eigene Kräfte

Löschwasser - Wasseransammlung in Decken
- Umstoß durch Wasserdruck

Explosionsgefahr

Eine Explosion bzw. Stichflamme kann überall da auftreten, wo die Einsatzkräfte mit Formen von Oxidation in Berührung kommen. Die unterschiedlichen Ausbreitungen der Flammen werden nach ihrer Geschwindigkeit unterschieden :

Verpuffung cm / s
Explosion m / s
Detonation km / s
Fettexplosion siedendes Fett
Staubexplosion aufgewirbelter Staub ( Holzindustrie, Mühlen, Kohlegewinnung )
Druckbehälter Zerknall (Gasflaschen)
Stichflamme kurzzeitig, auftretende, sehr heiße, lange Flamme ( 30 m )
- auslöten einer Gasuhr
- Flash-over ( Durchzündung)
- Backdraft ( Rückzündung )

Erkrankungen

Das sind Körper- und Gesundheitsschäden, die durch das Schadensereignis bzw. durch Auswirkungen des Schadensereignisses, an Menschen oder Tieren hervorgerufen werden können.

Beispiele für mechanische Einwirkungen:
- Schlag
- Stoß
- Aufprall
- Quetschung
- Pfählungsverletzung
- Amputationsverletzung

Beispiele für thermische Einwirkungen:
- Verbrennungen
- Verbrühungen
- Erfrierungen

Beispiele für chemische Einwirkung:
- Verätzung
- Vergiftung

Beispiel für bakterielle und virologische Einwirkung:
- HIV
- TBC
- Hepatitis