Um die physikalischen Grundlagen der Radioaktivität zu verstehen, ist es zunächst einmal sinnvoll, sich ein
Bild über die Größenordnung der vorkommenden Strukturen sowie des Zeitrahmens, in dem die Reaktionen
erfolgen, zu machen. Die Bandbreite der Maßstäbe, die es dabei zu meistern gilt, ist gewaltig: Während
der Durchmesser des heute sichtbaren Universums etwa 10+26 Meter beträgt, gilt es im Reich der kleinsten
Teilchen Fragestellungen zu ergründen, die sich auf Raumbereiche bis hinunter zu 10-35 Metern beziehen.
Strukturen, die sich über mehr als 10 Milliarden Jahre im Universum entwickelt haben, spielen ebenso eine Rolle wie
physikalische Prozesse, die innerhalb von 10-43 Sekunden ablaufen – also auf der Zeitskala, welche die
Anfänge des Universums kennzeichnet.
Hier wird daher die Exponentialschreibweise in Verbindung mit den SI-Einheiten verwendet, auf die im Folgenden kurz
eingegangen werden soll:
|
Wert |
Vorsilbe |
Wert |
Vorsilbe |
|---|---|---|---|
|
10-1 |
dezi |
101 |
deka |
|
10-2 |
zenti |
102 |
hekto |
|
10-3 |
milli |
103 |
kilo |
|
10-6 |
mikro |
106 |
mega |
|
10-9 |
nano |
109 |
giga |
|
10-12 |
piko |
1012 |
tera |
|
10-15 |
femto |
1015 |
peta |
|
10-18 |
atto |
1018 |
exa |
|
10-21 |
yocto |
1021 |
yocta |
|
10-24 |
zeto |
1024 |
zeta |
Galaxien oder Galaxie-Haufen haben einen Durchmesser von bis zu 1024 Metern, die Physik der Elementarteilchen
hingegen erstreckt sich in Bereiche von 10-20 Meter und kleiner. Ebenso gibt es riesige Zeitspannen, etwa von
der Entstehung unsres Universums vor 1010 Jahren bis hin zu spontanen Realaxationsmechanismen in der
Hochenergiephysik, die in zeitlichen Größenordnungen von 10-24 Sekunden ablaufen.
Die für den Strahlenschutz primär relevante Abstände bewegen sich im Bereich von
10-8–10-9 m (Moleküle), 10-10 m (Atome) bis hin zu 1015 m (Nukleonen)
und 10-18 m (Elementarteilchen).
Der zeitliche Rahmen erstreckt sich jedoch wieder über viele Größenordnungen, von der Halbwertszeit
primordialer Radionuklide (t ½ >109 a) bis hin zu Lebensdauer angeregter Zustände (t = 10-12 s).
Aufbau des Atoms (Atommodelle)
Bereits im alten Griechenland wurde begonnen, anhand von Gedankenexperimenten (geeignete Messgeräte gab es zu dieser
Zeit noch nicht) den Aufbau der Materie zu ergründen. Wenn man von einem Stab immer die Hälfte abschneidet, so
erkannten die alten Griechen, kann man das praktisch sowieso nicht, aber auch nicht theoretisch bis in alle „Ewigkeit“
durchführen. So wurde der Begriff Atom (von griechisch atomos, atomos = unteilbar) durch Demokrit geprägt.
Diese Hypothese wurde seinerzeit von Aristoteles verworfen. Erst im 18. Jahrhundert wurde die Atomhypothese durch Dalton
wieder aufgegriffen und durch Thomson, Rutherford, Bohr und Sommerfeld präzisiert und modifiziert bis hin zu der heute
besten Näherung, dem Orbital-Modell. Im Folgenden soll jedoch lediglich das Bohr’sche Atommodell angesprochen werden,
da die hier relevanten Sachverhalte durch dieses Modell hinreichend gut beschrieben werden.
Jedes Atom besteht aus einem Atomkern und einer Atomhülle
Der Atomkern hat einen Durchmesser von ca. 10-14 m
Der Kern trägt über 99,9% der Atommasse
Der Atomkern besteht aus Protonen und Neutronen und ist positiv geladen
Die Anzahl der Protonen im Kern wird durch die Kernladungszahl Z wiedergegeben
Die Kernladungszahl stimmt mit der Ordnungszahl im Periodensystem überein
Da die Elektronenmasse zu vernachlässigen ist (me = 1/1836 mp), setzt sich die Massenzahl des Atoms durch die Masse von Proton und Neutron zusammen (mp ~ mn)
Die elektrische Ladung des Kerns erzeugt ein radialsymmetrisches elektromagnetisches Feld
Die Atomhülle hat einen Durchmesser von 10-10m und ist quasi masselos
Der Kern befindet sich inmitten der Hülle
Da Atome neutral sind, muß die Hülle aus elektrisch negativen Teilchen aufgebaut sein, den Elektronen
Im neutralen Atom ist daher die Anzahl der Elektronen ebenfalls gleich Z
Die Elektronen bewegen sich im Grundzustand auf ganz bestimmten Kreis-Bahnen (Schalen) strahlungslos ohne Energieverlust (Zentripedalkraft = Coulomb-Kraft)
Jedes Elektron hat einen definierten Energiezustand
Es gibt 7 Schalen, die von innen nach außen mit K, L, M, N, O, P, Q benannt werden
Die Besetzung der Schalen erfolgt von innen (energiearm) nach außen (energiereich)
Jede Schale kann nur eine bestimmte Anzahl von Elektronen aufnehmen, die Maximalbesetzung wird durch 2·n2 wiedergegeben (n = Schalennummer; K=1...Q=7)
Die äußerste Schale kann nie mehr als 8 Elektronen aufnehmen
Grundlage hierfür war, dass sich auf stationären Elektronenbahnen die elektromagnetische Anziehung der
Coulomb-Kraft (FC) und das tangentiale Abriften der Elektronen hervorgerufen durch die Zentripetalkraft (FZP) gerade
aufheben müssen. Eine Bedingung die hierfür erfüllt sein muß, ist, dass der Drehimpuls L der Elektronen
ein ganzzahliges Vielfaches des Plank’schen Wirkungsquantums haben muß.
In der nächsten Abbildung rechts ist für ein Chlor-Atom die Projektion der Elektronenbahnen mit den
dazugehörigen Elektronen veranschaulicht. Jedes Energieniveau ist andersfarbig gekennzeichnet. Auf der linken Seite
sind die Schalen dreidimensional stilisiert. Sämtliche Elektronen bewegen sich auf einer ihrer Energie entsprechenden
Kugelschale um den Kern.
Periodensystem der Elemente (PSE)
Von den derzeit etwa 114 bekannten Elementen sind genau 81 stabil und weitere zehn kommen in Form mehrer radioaktiver
Isotope aufgrund der natürlichen Zerfallsreihen vor.

Full featuered PSE
Das in oben abgebildete Periodensystem (© GSI) der Elemente (oder kurz PSE) ist ein wichtiges Hilfsmittel in der Physik und
Chemie. Es eine systematische Anordnung aller bekannten Elemente. Jedes Element (klassifiziert durch seine Ordnungszahl
oder Protonenzahl) hat dort einen festen Platz. Da die „äußerste“ Schale maximal 8 Elektronen aufnehmen kann,
wird immer dann, wenn diese voll aufgefüllt ist, eine neue Zeile begonnen. So stehen Alle Elemente, die die gleiche
Elektronenkonfiguration besitzen untereinander. Dies ist insofern sinnvoll, weil in erster Näherung die jeweils
äußere Schale verantwortlich für die chemischen Eigenschaften des Elements ist. Alle untereinander stehenden
Elemente nennt man eine Gruppe, die Elemente einer Gruppe reagieren chemisch sehr ähnlich und bilden für die
Gruppe charakteristische Ionen oder bilden in kovalenten Verbindungen eine spezifische Anzahl von Bindungsstellen. Im
Folgenden soll ein kurzer überblick über die Hauptgruppen gegeben werden, Besonderheiten bei den Hauptgruppen,
Nebengruppen und Lanthaniden/Actiniden werden hier aufgrund ihrer z.T. nicht trivialen Chemie übersprungen, eine
umfassendere Abhandlung dieses Themengebiets ist in den Standardlehrbüchern der Chemie zu finden. Chemische Reaktionen
beruhen im Allgemeinen darauf, dass alle Elemente versuchen, einen Zustand möglichst geringer Energie zu erreichen.
Dies geschieht bei der Ionenbindung durch Aufnahme/Abgebe von genau so vielen Elektronen, bis alle beteiligten Elemente
am Ende eine abgeschlossene Elektronenschale (8 Elektronen auf der Außenschale) besitzen; bei einer kovalenten Bindung
„teilen“ sich mehrere Atome Elektronenpaare. Beispielsweise besitzt das Wasserstoff-Atom je ein Elektron, nach Ausbildung
einer kovalenten Bindung zweier Wasserstoff-Atome entsteht ein Wasserstoff-Molekül H2. Beide Atome haben also partiell
2 oder 0 Elektronen (jeweils abgeschlossene Schale). Ebenso verhalten sich die Halogene sowie die anderen Nichtmetalle
wie z.B. Gase (O2, N2) abgesehen von den Edelgasen. Um diese Bindungsart hinreichend genau beschreiben zu können,
benötigt man das Orbitalmodell, deshalb sei hier darauf verzichtet. Neben diesen Bindungsarten gibt es noch die
Metallbindungen und Koordinationsbindung, die hier der Vollständigkeit halber unkommentiert aufgeführt werden.
Die erste Gruppe ist die Alkalimetall-Gruppe, bei den Elementen dieser Gruppe besetzt im Grundzustand jeweils ein Elektron
die Außenschale. Um nun eine abgeschlossene Schale zu erreichen, könnte das Atom theoretisch noch 7 Elektronen
aufnehmen (ist nicht möglich, da das Prinzip der Energieminimierung nicht gewährleistet wird) oder ein Elektron
abgeben. Aus diesem Grunde kommen die Alkalimetalle in Verbindungen fast ausschließlich als einwertiges Kation
(einfach positiv geladen) vor. Genau der umgekehrte Fall tritt bei den Halogenen auf. Ihnen fehlt noch ein Elektron zur
abgeschlossenen Schale, sie treten im einfachsten Fall als einwertiges Anion (einfach negativ geladen) auf. Alkalis und
Halogene bilden eine 1:1-Verbindung. Die zweite Gruppe sind die Erdalkalimetalle, sie haben ihrer Stellung im PSE zufolge
zwei Elektronen auf der Außenschale und reagieren erwartungsgemäß unter Bildung zweifach positiv geladner
Spezies. Ihr Pendant mit sechs Außenelektronen oder zwei „Elektronenlöchern“ ist die Sauerstoff-Gruppe. Die
Erdmetalle bilden die dritte Gruppe. Die Atome der Kohlenstoff- und Stickstoff-Gruppe kommen weniger in ionischer Form vor,
sie bilden vermehrt kovalente Moleküle. Ein Beispiel hierfür ist CO2. Die Struktur ist O=C=O, Der Kohlenstoff
teilt sich mit je einem Sauerstoff zwei Elektronenpaare und formal haben dann alle Bindungspartner eine pseudo-abgeschlossene
Außenschale. Die achte Gruppe, die Edelgase haben bereits eine abgeschlossene Elektronenschale und sind somit extrem
reaktionsträge. Horizontal sind die Perioden aufgetragen, alle Elemente einer Periode besetzen die gleiche
Außenschale. Auch hier sind detaillierte Sachverhalte den Standardwerken der Chemie zu entnehmen.
Strukturen im Atomkern
Wie bereits im vorigen Teil beschrieben ist die Anzahl der Protonen elementbestimmend, d.h. die Anzahl der Protonen ist maßgeblich, dafür, an welcher Stelle im Periodensystem das jeweilige Atom steht und dessen Elementnamen. Da jedoch aufgrund ihrer positiven Ladung die Protonen sich durch die selbe Coulomb-Kraft, die die Elektronen auf ihren „Bahnen“ um den Atomkern hält, abstoßen würden und so kein stabiles Element außer dem Wasserstoff geben würde, muss es noch andere Kräfte und Teilchen geben, die es ermöglichen, dass schwerere Elemente entstehen. Daher wurde das Neutron zunächst postuliert und später auch nachgewiesen. Es besitzt etwa die gleiche Masse wie das Proton, jedoch ist es neutral, also nicht geladen. Zusammengehalten werden diese Kernbausteine oder auch Nukleonen durch die sog. Starke Wechselwirkung. Diese Kraft vermag, die Coulomb-Abstoßung auch mehrerer Protonen zu kompensieren. Durch diese Kraft werden die Nukleonen gebunden und zu Atomen mit einem Durchmesser von 10-14...10-15m angeordnet.
Die Reichweite der starken Wechselwirkung liegt im Bereich von 10-15m und ist in den uns vertrauten
Größenordnungen nicht zu beobachten. Ebenso verhält es sich mit der schwachen Wechselwirkung. Diese zweite
fundamentale Kraft ist um 5 Größenordnungen schwächer als die starke Wechselwirkung, ihre Reichweite
beträgt etwa 10-3 fm und sie ist unter anderem für den β-Zerfall verantwortlich. Die Einzelheiten sollen hier
nicht weiter besprochen werden, sie sind jedoch in jedem Standard-Lehrbuch der Kernphysik nachzuvollziehen. Die letzten
beiden fundamentalen Wechselwirkungskräfte sind die Gravitation, die aufgrund ihrer relativen Stärke zur Starken
Wechselwirkung von 10-40 für kernphysikalische Phänomene zu vernachlässigen ist und die elektromagnetische
Wechselwirkung, die unter Anderem bei der γ- und Röntgenstrahlung eine Rolle spielt, die aber auch dafür sorgt,
dass unsere Funkgeräte, Wärmebildkameras oder auch Radaranlagen funktionieren. Im Wesentlichen ist die
elektromagnetische Wechselwirkung etwa 100fach schwächer als die starke Wechselwirkung und hat unendlich große
Reichweite. Im Wesentlichen bestehen die Atomkerne aus Protonen und Neutronen, die durch die starke Wechselwirkung
zusammengehalten werden. Bei einem Atomkern kann es jedoch vorkommen, dass es mehrere verschieden schwere Teilchen gibt,
die aber ale die gleiche Kernladungszahl und somit Anzahl von Protonen haben. Hieraus folgt, dass sich die Anzahl der
Neutronen in bestimmten Bereichen variieren lassen muss. Naiv gesehen kann man das Neutron als eine Art Kleber ansehen,
ohne den die Protonen nicht zusammenbleiben würden, jedoch ist es auf der anderen Seite so, dass die starke
Wechselwirkung aufgrund ihrer kurzen Reichweite keine mit beliebig viel Kleber (Neutronen) versetzten Atomkerne mehr
stabil halten kann, diese Kerne zerfallen in kleinere Bruchstücke.
Karlsruher Nuklidkarte
Bisher wurden insgesamt etwa 2300 Kerne mit verschiedenen Protonen- und Neutronenzahlen nachgewiesen. Da es unmöglich
ist, all diese Teilchen in dem Schema des PSE unterzubringen, wurde zur Klassifizierung der Atome ein anderes Schema, das
der Karlsruher Nuklidkarte entwickelt. In der Karlsruher Nuklidkarte sind alle Atomkerne mit gleicher Protonenzahl
(alles, was sich in einem Feld des PSE befindet) horizontal aufgetragen und alle Atome mit gleicher Neutronenzahl vertikal.
Hierdurch entsteht die ??? aufgetragene Figur. Zu Beginn ist zu sehen, dass sich Protonen- und Neutronenzahl
annähernd die Waage halten, dieses Verhalten ändert sich jedoch hin zu den schwersten Elementen, die Gerade
knickt ab zu N/Z = 3/2. Hierfür verantwortlich ist die zunehmende Stärke der Coulomb-Abstoßung, die immer
mehr „Kleber“ erforderlich macht. Wenn man von Atomkernen allgemein spricht, wird häufig der Begriff Nuklid verwendet,
wie man z.B. Summe aller radioaktiven Teilchen als Radionuklide bezeichnet (Nuklid = ???). Meint man jedoch alle Atome,
die die gleiche Anzahl von Protonen besitzt (also sämtliche Nuklide eines Elements), bezeichnet man diese als IsotoPe
(iso gleich, topos Ort), Teilchen mit gleicher Neutronenzahl werden als IsotoNe, Teilchen mit gleicher Massenzahl IsobAre,
und Teilchen mit gleicher Nukleonenzahl, die sich jedoch in unterschiedlichen Anregungszuständen befinden als Isomere
bezeichnet.
Markiert man jeweils eine Isotopenreihe, Isotonenreihe und Isobarenreihe, so erhält man für die Isotope eine
wagerechte Linie, für die Isotone eine senkrechte Linie und für die Isobare eine diagonale Linie von links oben
nach rechts unten. Nun gibt es noch eine Diagonale von links unten nach rechts oben, der Vollständigkeit halber wurde
diese als IsoDiaphere bezeichnet. Physikalisch liegen auf einer Isodiaphere alle Nuklide mit gleichem
Neutronenüberschuss, jedoch ist dieser Schachverhalt hier im Weiteren nicht von Bedeutung.
Isomere werden im Schema der Nuklidkarte durch eine Aufteilung des betreffenden Feldes in mehrere Sektionen gekennzeichnet.
Merkregel:
IsotoPe P gleiche Protonenzahl (P)
IsotoNe N gleiche Neutronenzahl (N)
IsobAre A gleiche Massenzahl (A = Z + N)
IsoDiaphere D gleicher Neutronenüberschuss (D = N – Z)
Isomere gleiches Nuklid in unterschiedlichem Anregungszustand
Auf den ersten Blick ist auffällig, dass die Nuklidkarte systematisch bunt gestaltet ist. All die Farben haben eine
bestimmte Bedeutung, an dieser Stelle sollen lediglich die Majoritätskomponenten besprochen werden. (Details sind in
Abbildung 5 nicht zu erkennen und der originalen Nuklidkarte zu entnehmen)
Farbe Bedeutung
Schwarz Stabiles Nuklid
Gelb Alpha-Strahler (α) (=>Alle Zerfälle liegen auf einer Isodiapheren)
Blau Beta – Strahler (β –) (=>Alle Zerfälle liegen auf einer Isobaren)
Rot Beta + Strahler (β +) (=>Alle Zerfälle liegen auf einer Isobaren)
Grün Spontanspalter (sf)
Orange Protonenemitter (p)
grau Cluster-Emitter (12C)
weiß Noch nicht charakterisiert (am Kartenrand)Verschiedene Isomere (nahe den schwarzen Nukliden)
Allgemeines über Korpuskular- und Wellenstrahlung
Die Radioaktivität ist eine Eigenschaft von Stoffen, die in der Natur vorkommen, entdeckt wurde sie 1896 von H.
Bequerel und mit den Buchstaben des griechischen Alphabets α,β,γ bezeichnet. Die Strahlungsarten unterscheiden sich in
ihrem Durchdringungsvermögen sowie in ihrer Ablenkbarkeit im E- bzw. B-Feld.
Korpuskularstrahlung zeichnet sich durch eine maximale Reichweite in Materie aus, da die geladenen Teilchen mit den
gebundenen Elektronen der umgebenden Materie intensiv wechselwirken (Ionisation, Anregung). Die Reichweite R von α-Teilchen
an Luft ist energieabhängig (E) und näherungsweise gegeben durch:
β-Teilchen haben einen 100fach schwächeren LET (Linearer Energie Transfer), so dass deren Reichweite in Luft im
Dezimeter bis Meterbereich anzusiedeln ist, bei Verwendung von Absorbern mit höheren Flächengewichten nimmt die
Wechselwirkungsdichte pro Längeneinheit zu.
γ-Strahlung kann als elektromagnetische Wellenstrahlung aufgefasst werden, welche einem exponentiellen
Schwächungsgesetz unterliegt:
Zum Nachweis der von radioaktiven Stoffen ausgesandten Strahlung werden sog. Detektoren mit einem Auswertgerät
verwendet.
Die Detektion von Korpuskularstrahlung ist aufgrund ihrer intensiven Wechselwirkung
(α & β) und deren hohen LET durch Festkörper-, Gasioisations- oder Geiger-Müller- sowie Kernspurdetektoren
realisierbar. Die Einschränkung bei diesen Detektoren ist, dass nicht energiedispersiv gemessen werden kann. Zu
energieaufgelösten Messungen sind Sperrschicht- oder Szintillationsdetektoren mit entsprechender Auswertelektronik
zu verwenden.
Absolute- & Relative Atommassen, Massendefekt
Entstehung ionisierender Strahlung
Radioaktive Atomkerne sind instabil, das heißt, diese Kerne wandeln sich spontan unter Teilchenemission in andere
Kerne um oder sie liegen in angeregten Zuständen vor, die durch elektromagnetische Wechselwirkungen in den
Grundzustand relaxieren können. Sie gehen also unter Strahlungs- und / oder Teilchenemission in eine stabilere
Struktur über. Charakterisierend für die Radioaktivität ist, dass sie in (fast) keiner Weise durch
äußere Einwirkung beeinflussbar ist, die Halbwertszeit hängt weder von extensiven noch von intensiven
Größen (Temperatur, Masse, Volumen etc.) ab.
Atomkerne werden instabil, wenn:
ihre Ordnungszahl Z größer 83 wird, da die Kernkräfte die abstoßenden Coulomb-Kräfte nicht mehr hinreichend gut kompensieren können.
ein Missverhältnis zwischen Protonen und Neutronen im Kern vorliegt; stabile Nuklide befinden sich im Bereich der leichten Kerne bei 1:1, bei schwereren Kernen geht das Verhältnis zu 2:3 über.
die Masse den Wert 150 u überschreitet, von da an ist das Durchtunneln eines α-Teilchens durch den Kern-Potentialwall möglich. Der tatsächlich leichteste a-Strahler ist das 144Nd mit einer Halbwertszeit von 2·1015 a.
sich Nukleonen in einem angeregten Zustand befinden.
Der Ausgangskern, das sog. Mutternuklid, wird in ein anderes Nuklid, die sog. Tochter umgewandelt. Es kann aber auch ein angeregter oder metastabiler Kern (mit einer Lebensdauer von > 1 ms) in einen energetisch günstigeren Zustand übergehen, wobei dies der Grundzustand sein kann, es jedoch nicht sein muss. Eine Abregungskaskade mit mehreren emittierten Photonen ist ebenso möglich. Zu beachten sind bei allen Kernumwandlungen die elementaren Erhaltungssätze wie z.B. Energie-, Impuls-, Drehimpuls-, Ladungs- und Paritätserhaltung sowie die Erhaltungssätze der Quark- und Leptonenflavours.